Sergio Massa soll Argentinien aus der Krise führen

Der Superminister

Porträt Von

Lediglich 24 Tage war Silvina Batakis Wirtschaftsministerin von Argentinien. Nun soll Sergio Massa übernehmen, um die Regierung zu stärken; innerhalb des sie tragenden Bündnisses verschiedener peronistischer Strömungen hatte es zuletzt großen Streit über die Finanz- und Wirtschaftspolitik gegeben, denn das Land kommt nicht aus der Krise. Massa, bisher Präsident der Abgeordnetenkammer, ist der dritte Hauptexponent des peronistischen Bündnisses, das seit 2019 regiert.

Anzeige

Präsident Alberto Fernández, Vizepräsidentin Cristina Fernández de Kirchner (Präsidentin von 2007 bis 2015) und Massa hielten die Machtbalance und sich gegenseitig unter Kontrolle. Doch stets war klar: Will der Peronismus die Präsidentschaftswahl 2023 wieder gewinnen, muss er sich auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin einigen. Nachdem Kirchner Wirtschaftsminister Martín Guzmán aus dem Amt gedrängt hatte, war Batakis eine Art Kandidatin des Waffenstillstands zwischen ihr und dem Präsidenten. Massa sollte das Amt damals verwehrt werden, doch nun hat er ein »Superministerium« bekommen – neben Wirtschaft umfasst es die zuvor eigenständigen Ressorts Produktion und Landwirtschaft.

Massa begann seine politische Karriere in den neunziger Jahren, als der peronistische Präsident Carlos Menem dem Land eine wirtschaftsliberale Gewaltkur verpasste, die 2001 zum Staatsbankrott führte. Der rechte Peronist Massa wurde zu einem wichtigen Funktionär der links orientierten peronistischen Regierung von Präsident Néstor Kirchner ab 2003. Fünf Jahre später wurde er Kabinettschef von Kirchners Nachfolgerin Cristina – ein Amt, das vor ihm Alberto Fernández innehatte. Mit harscher Kritik verließ er die Regierung ein Jahr später. Im Wahlkampf um die Präsidentschaft 2015 tönte Massa, Kirchner ins Gefängnis bringen zu wollen, und kam auf den dritten Platz. Die Wahl gewann damals der Konservative Mauricio Macri, mit dem Massa in der Folge zusammenarbeitete. 2019 konnte er jedoch den Aussichten, die das Bündnis von Kirchner und Fernández bot, nicht widerstehen. Geschadet hat ihm sein Opportunismus offenbar nicht. Massa hat zwar keine so große Wählerbasis wie Kirchner, doch gute Kontakte ins Ausland, zu internationalen Institutionen und in den Finanzsektor. Wer mit der erneuten Kabinettsumbildung wen ausgestochen hat, wird sich noch zeigen.