Rassismus bei Haustieren

Rassistische Hunde

Cocolumne Von

Ein Tabuthema, über das wir Hundehalter nur ungern sprechen, ist der Rassismus unserer Haustiere. Und damit ist nicht etwa die Ablehnung anderer Hunderassen gemeint – diesbezüglich ist die kleine Coco sehr tolerant. Nein, ihr Rassismus richtet sich tatsächlich gegen schwarze Menschen, also Menschen dunklerer Hautfarbe, BlPoC, wie man heute sagt. Von mir hat Coco das nicht! Sie ist einfach ein schreckliches Gewohnheitstier. Menschen, die in Farbe, Form und Bewegungsablauf etwa dem entsprechen, was tagaus, tagein an ihr vorbeiflaniert, -joggt und -radelt, also in manchen Bezirken Berlins vor allem Schwaben, nimmt sie, völlig zu Unrecht natürlich, als weniger bedrohlich wahr als Menschen mit deutlich dunklerer Hautfarbe und auch solche mit ungewöhnlichen Silhouetten und Bewegungsabläufen, also Menschen mit großen Hüten oder Rucksäcken etwa, aber auch Dicke oder Gehbehinderte. Die bellt Coco gerne mal an. Diese Xenophobie der Hunde bringt uns Halter regelmäßig in äußerst peinliche Situationen. Soll man da sagen: »Sorry, mein Hund ist ein Rassist«? Wohl kaum. Man lächelt also nur verlegen und entschuldigend und schämt sich in Grund und Boden.

Anzeige

Nicht anbellen würde Coco sicherlich Horst Seehofer und die ebenfalls eher hellhäutige Hengameh Yaghoo­bifarah, die in den vergangenen Wochen als vermeintliche Gegenspieler in einer Debatte über Antirassismus inszeniert wurden, obwohl die beiden doch zwei Seiten derselben kulturrelativistischen Medaille darstellen. Kulturrela­tivismus, wie ihn die Critical-Whiteness-Apologeten betreiben, ist ja nicht eine irgendwie ein wenig verrückte Spielart des Antirassismus, sondern vielmehr sein antago­nistischer Widerspruch. Dem Antirassismus geht es darum, Rassen, Völker, Ethnien und Kulturen emanzipatorisch zu dekonstruieren, er ist in diesem ­Sinne eine universalistische Kritik. Critical Whiteness dagegen schreibt Iden­titäten fest. »Leitkultur« und Antiglobalismus, wie ihn Donald Trump und Attila Hildmann predigen, stammen aus derselben kulturrelativistischen Ur­suppe.

Selbstverständlich ist es angesichts konkreter Diskriminierung oder Ver­folgung völlig legitim und oft genug überlebensnotwendig, sich im Sinne der Selbstermächtigung als Opfergruppe zu organisieren, allerdings sollte das nicht mit Antirassismus verwechselt werden. Es ist zunächst nur Widerstand gegen eine gerade herrschende Leitkultur, keine Kritik am Konzept der Leitkultur selbst. Es ist womöglich nur Parteinahme für die nächste Leitkultur. Auch die Reichsbürger glauben, dass sie um die Rechte ihrer Kultur beziehungsweise ihres »Volkes« kämpfen, was praktisch dasselbe ist.

Ich weiß ja nie, ob ich PoC bin oder doch eher ein alter, weißer Mann oder sogar beides. Coco ist im Erkennen solcher Unterschiede weltmeisterlich. Wuff wuff! Sie würde bei jedem »Weißsein-erkennen«-Workshop glänzen. Wenn Hengameh Yaghoobifarah mal wieder auf die Fusion geht, um Schwarze zu zählen, sollte sie Coco als Spürhund mitnehmen.