Nationalisten gegen Nazis
Ravensbrück im vergangenen April: Zahlreiche Menschen nahmen an der Gedenkfeier zum 78. Jahrestag der Befreiung des Frauenkonzentrationslagers teil. Nur einer Gruppe von etwa 15 Personen wurde der Zutritt zum Gelände untersagt. Der Grund: Sie trugen Fahnen und Armbinden mit Symbolen der Narodowe Siły Zbrojne (Nationale Streitkräfte, NSZ). Auf einem Transparent stand »polnischer Stolz« neben einem durchgestrichenen Hakenkreuz und einem durchgestrichenem Hammer-und-Sichel-Symbol.
Die NSZ waren eine von mehreren Untergrundarmeen, die während des Zweiten Weltkriegs in Polen gegen die deutschen Besatzer kämpften. Mindestens zwei ihrer Mitglieder waren in Ravensbrück inhaftiert. Politisch standen die NSZ weit rechts: Ihre Anhänger kämpften für einen katholischen, ethnisch homogenen Staat; die Ausrichtung war strikt antikommunistisch, antideutsch und antisemitisch.
Schon bei der Befreiungsfeier 2018 in Ravensbrück hatten einige Teilnehmer:innen Symbole der NSZ gezeigt. Anschließend gab die Gedenkstätte ein Gutachten zum Antisemitismus der NSZ in Auftrag, schließlich wurde ein Verbot von NSZ-Symbolen auf dem Gelände der Gedenkstätte beschlossen. Trotzdem waren sie dieses Jahr wieder an Ort und Stelle. »Während die NSZ-Sympathisant:innen vor dem Gelände der Gedenkstätte standen, hielten sich mehrere jüdische Überlebende auf der Befreiungsfeier auf«, beschrieb eine anwesende Person der Jungle World die Lage.
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